Vorhaben und Ziele

Statement der Integrationshilfe Passau e.V.

Beim Treffen von Mitgliedern des Vereins mit Asylbewerbern unter dem Motto “Herzlich willkommen“ im Restaurant Erbil in Passau wurde folgendes Statement ausgearbeitet:

Die Integration von Asylbewerbern ist mit Sicherheit eine Anstrengung. Jedoch kann sie auch eine Bereicherung für unser Land werden.

Leider wurde die Willkommenskultur seit gut einem Jahr durch die Regierung gekipppt - man spricht in der Zwischenzeit von einer "nationalen Kraftanstrengung - besonders bei den Unionsparteien und meint damit die Abschiebung von nicht bleibeberechtigten Asylbewerbern in das Herkunftsland. Bei den derzeitigen Sondierungsgesprächen zu einer möglichen "Jamaika-Koalition" geht es unter anderem auch um die Themen Asyl- und Integrationspolitik und man will eine Art Einwanderungsgesetz in die Wege leiten.
Vor zwei Jahren hat Bundeskanzlerin Angela Merkel behauptet "Wir schaffen das". Im Vorfeld der Wahl zum Deutschen Bundestag wurde jedoch den Bürgerinnen und Bürgern nicht gesagt: Wie schafft man das. Das hatte auch zur Folge, dass die Wählerinnen und Wähler verunsichert waren. Viele unserer Mitbürger meinen immer noch, dass sie durch die Integration von Asylbewerbern benachteiligt werden (evtl. auch finanziell). Das Thema "Innere Sicherheit" darf man auch keineswegs "auf dem Rücken von Asylbewerbern diskutieren und das Thema Obergrenze muss endgültig vom Tisch. Asyl kennt keine Obergrenze - eine Obergrenze darf es nur bei der zum großen Teil menschenverachtenden Asylpolitik geben.

Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes müssen auch keine Angst haben vor einer Überfremdung und wir brauchen sicher auch keine Leitkultur. Unsere Leitkultur und die der Asylbewerber sollte das Grundgesetz sein besonders auch mit dem Art. 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Zum Gelingen einer Integration gehören auch die Anerkennung der Gleichberechtigung, die Religionsfreiheit und das Demokratieverständnis. Man darf keineswegs auch den Familiennachzug blockieren – Familien gehören zusammen und das gehört auch zu den Grundwerten der Gesellschaft. Die Ausrede, es wären nicht genügend Wohnungen vorhanden, lassen wir nicht gelten. Seit Jahren ist bekannt, dass Wohnungen – und vor allen Dingen bezahlbare Wohnungen fehlen. Der soziale Wohnungsbau wurde extrem vernachlässigt. Schädlich im Zusammenhang mit der Integration sind Ausbildungs- und Arbeitsverbote und die Ausweitung von sicheren Herkunftsländern. Dazu gehört auch, dass man Afghanistan als "nicht sicher" einstuft.

Unser Land braucht Fachkräfte. Sehr viele Asylbewerber bringen gute Voraussetzungen mit und es gibt auch viele Akademiker unter den Zugewanderten. Ihnen allen sollte man die Möglichkeit geben, sich in einem Job gut einzubringen bzw. bei den Akademikern wäre es wichtig, dass das Studium anerkannt wird bzw. dass sie das Studium in Deutschland fortsetzen können. Man leistet damit auch einen Beitrag zur Bewältigung der Probleme im Zusammenhang mit der Demografie.

Die Zweifler müssten allmählich erkennen, dass die Integration von Asylbewerbern nicht nur einer Anstrengung und einem Umdenken in der Öffentlichkeit bedarf - das Gelingen der Integration ist auch eine Bereicherung für unsere Gesellschaft! Wir von der Integrationshilfe Passau haben dazu auch ein „Interkulturelles Integrationskonzept“ ausgearbeitet, das auf der Homepage unseres Vereins veröffentlicht wurde www.integrationshilfe-passau.de .

(Verantwortlich: Ludwig Schmidlehner – 1. Vorsitzender Integrationshilfe Passau e.V.)

Begriffserklärung

Integration ist ein längerfristiger Prozess für die Eingliederung von Migranten in die gesellschaftlichen Kernbereiche. Es werden Verbindungen geschaffen zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen und Religionen in die Gesellschaft. Voraussetzung für das Gelingen der Integration ist die gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung und es erfordert auch eine Veränderungsbereitschaft sowohl bei den Zugewanderten als auch bei der Aufnahmegesellschaft.
Integration ist eine große Herausforderung für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Migration ist erwünscht und notwendig und stellt eine Chance für eine dynamische Entwicklung in Kommunen.

Ziel des Integrationskonzeptes

Bereitschaft der Öffentlichkeit Bedingungen in sozialer, kultureller und struktureller Hinsicht für die MigrantInnen zu schaffen. Diese wiederum sollen die Angebote aktiv annehmen, ihre eigenen Kompetenzen einbringen unter Beachtung der Grundwerte und Rechtsnormen unserer Gesellschaft.

Das Integrationskonzept

  • schafft klare Rahmenbedingungen für ein Handlungskonzept
  • schafft den Dialog für alle am Integrationsprozess Beteiligten
  • schafft Grundlagen für die Hinterfragung von Maßnahmen und deren Ergebnissen und Wirkungen
  • Begleitet die Maßnahme/n unter Berücksichtigung der gesetzlichen Vorgaben
Zielgruppe: Wechselseitiger Prozess zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund

Integration braucht auch einen gegenseitigen Dialog:

  • aufeinander zugehen
  • miteinander reden
  • dem Anderen Verständnis entgegenbringen
  • Gemeinsamkeiten pflegen
  • Unterschiede verstehen

Handlungsfelder des Integrationskonzeptes

Kulturelles Integrationskonzept

Interkulturelle Öffnung und Orientierung - Annäherung zwischen Migranten und Aufnahmegesellschaft, Reflexion von Einstellungen und Verhalten, Austauschprozesse

Soziale Integration

Wohnen und Zusammenleben in den Stadt- bzw. Gemeindebereichen (Vermeidung von Ghettobildung)
Gesellschaftliche Teilhabe: Nachbarschaft, Freundeskreis, Vereine und Organisationen

Strukturelle Integration

Schulen, Ausbildung, Arbeitsmarkt, Sprachförderung, Gesundheitsversorgung

Kultur und Religion

Werteverständnis, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Demokratieverständnis

Abbau von Diskriminierung

Netzwerke und Strukturen

  • Maßnahmeplanung – Steuerung und Durchführung, Überprüfung der Ziele, Berichterstattung und Zusammenarbeit mit politischen Gremien
  • Interkultureller Dialog in der Kommune: Öffentlichkeitsarbeit, Zusammenarbeit mit freien Trägern und Migrationsorganisationen, Verbände, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Ausländer- und Integrationsbeiräte, Interkulturelle Arbeitskreise, Ehrenamt

Ausblick – Schlussbemerkung

  • Was soll konkret in den einzelnen Handlungsfeldern erreicht werden?
  • Woran wird erkannt, dass die Ziele bereits erreicht wurden? Überprüfung der Ergebnisse
  • Chancen des Konzeptes: Grundpfeiler für einen sozialen Frieden, Reduzierung des Fachkräftemangels, Besetzung von Ausbildungsplätzen